Wilde Plakate

Nachdem denen, die sich - oft in ihrer Freizeit - für ihre Art von Kultur engagieren, und die keine andere Möglichkeit mehr haben, als hin und wieder auch wild zu plakatieren, weil die Stadt alles andere unerschwinglich und damit schlicht unmöglich gemacht hat, ist es doch wirklich blanker Hohn sie jetzt dafür auch noch anzuzeigen. In welche Nischen sollen wir uns denn noch zurückziehen, in dieser Stadt, die alle Kreativität, die sich nicht unter die Fuchtel bringen lassen will, und sich nicht für's Stadtimage vermarkten lässt, ausmerzen will?

“Network of blood” – Nathan Jurgensons Webtheorien

Nathan Jurgenson, ein junger US-amerikanischer Soziologe, setzt sich seit Jahren intensiv damit auseinander, wie neue Webtechnologien uns und die Gesellschaft verändern. Er schreibt seit Jahren gegen ein Denken an, das er als “Digitalen Dualismus” bezeichnet. Dieser stellt eine falsche Nullsummenrechnung an: Die Zeit, die wir online verbringen, fehlt uns angeblich offline. Als würden wir aus der Offline-Welt verschwinden, sobald wir online gehen. Das tun wir aber ebenso wenig, wie wenn wir telefonieren oder ein Buch zur Hand nehmen.

Sprache is Duke

Zu oft werden Meinungskundgebungen in Social Media auf einen (suggerierten) Tonfall reduziert - "die regen sich mal wieder auf" - statt dass Inhalte ernstgenommen werden. Deswegen hätte ich die Kritik an dem Bild nicht als "den Empörer und die Empörten" beschrieben, wie es Martin im Teaser für den Text durchgerutscht ist.* "Empört", das ist das neue "hysterisch" und die kleine Schwester vom "Shitstorm" und dem "Twittermob". Und der Großneffe von "Social Justice Warrior", "PC-Polizei" und "Gutmensch". Es hat einen abwertenden Beigeschmack, der die damit gekennzeichnete Meinung als nicht ernstzunehmend markiert, sie rhetorisch zu entmachten sucht, die Kritik als nicht berechtigt abtut. Und ist mindestens so hoffnungslos überstrapaziert wie dass ich hier mit dem x-ten Text zu #tilogate aufwarte.

“””Kunst””” – Vortrag für Edel Extras ästhetische Prozesse

Donnerstag, 5.3., hatte ich das Vergnügen, für die Kunstwochen im Edel Extra, einem kleinen Raum für ästhetische Prozesse, neben drei anderen Vorträgen folgenden von mir zu halten. Beeindruckend war Hermann Glaser, vor dessen scharfen Verständnis und Witz ich mich wieder mal verneige. Von seinem Credo "Jeder muss 'Klopstock' sagen können!" bis zur Kritik an affirmativer…

Pleasantville ist keine Lösung – Soziale Netzwerke müssen sozialer werden

"So lasset uns Freiheit für Sicherheit opfern!" - ein Credo, das wir aus privilegierten konservativen Kreisen nur allzugut kennen. Die Freiheiten und Rechte von Wenigen als unvermeidlichen Kollateralschaden zu betrachten, den es für ein übergeordnetes Wohl zu bringen gälte, ist nichts als eine ignorante Weigerung, sich mit komplexeren Dimensionen auseinanderzusetzen. Es sollte nicht vergessen werden: Im Gegensatz zu der sonst in Medien und Marketing immer noch überwiegenden sexuellen Male Gaze-Objektivierung weiblicher Körper bieten Social Media Plattformen Frauen die Freiheit, dem eine selbstbestimmte öffentliche Abbildung des eigenen Körpers entgegenzusetzen - egal ob erotisch oder stillend oder satirisch oder medizinisch. Es wäre traurig, solche Möglichkeiten unüberlegt zu opfern. Stattdessen sollten Wege eingefordert werden, die solche Arten der Selbstermächtigung ermöglichen und der Vielschichtigkeit der User gerecht werden, ohne dass es in Konflikt mit dem allgemeinen Zugang für Jugendliche zu diesen Social Networks gerät. Pleasantville ist keine Lösung.

Empörung aktivieren – Konformismus und Mobverhalten im Netz

"Empörung aktivieren. Aufstehen, Aufstand, Anstand." Die Goldenen Zitronen In einem Text namens 'Konformismus im Netz - Die Meinung der Anderen' schreibt Martin Weigert: "Bei Twitter und in anderen Teilen des sozialen Netzes herrscht ein Konformitätsdruck, der durch die Furcht ausgelöst wird, am virtuellen Pranger zu landen. (...) Auf Dauer sorgt es aber für ein vergiftetes…

Sexarbeit in TV Serien – Deadwood, Firefly und True Blood

In einem Text zum neuen Beyoncé Album schreibt die britische Feministin Laurie Penny im New Statesman:   "Mehr als alles andere ist Beyoncé eine Künstlerin des Marktes. Sie würde niemals ein Album veröffentlichen, für das ihr Publikum nicht in maßgeblicher Weise bereit ist, und die Mainstreamwelt, die Dance Pop hört, war hierfür bereit. Sie war…

Queer Ally For The Straight GQ – mein Problem mit der #Mundpropaganda Kampagne

[caption id="attachment_398" align="alignright" width="278"] via many-sexuals-so-edgi-wow tumblr[/caption] Vor ein paar Tagen hat das deutsche GQ Magazin eine Kampagne namens 'Mundpropaganda' gestartet. Es handelt sich dabei um eine Fotoserie von sich küssenden männlichen Hetero-Berühmtheiten. Viele meiner schwulen Freunde scheinen die Kampagne zu mögen. Manche weil sie es sexy finden. Manche weil sie sie als Verbündete empfinden.…

Kill Community. Weil du kein Ohrwurm bist.

"Community Media sind die Ausfallbürgschaft der öffentlichen-rechtlichen Medien." K. Imhoff Tobi Lindemann hat hier wunderbar über die Podiumsdiskussion "Community Medien – Spielwiese für Minderheiten oder ernstzunehmender Demokratiefaktor?" gebloggt, und verliert dabei einleitend auch ein paar Worte zu Bezügen zum Bloggen und zu Freiem Radio / Radio Z vor. Es war ein wirklich interessanter und lebendiger…