Das Overton-Fenster als Waffe

Rund um das Entstehen von Schmalbart und Correctivs Reporter-Fabrik (hier das Konzept-PDF) hat sich eine Diskussion entsponnen, ob Fakten, Diskussionsstrategien auf Social Media oder Medienbildung gegen die Propagandamethoden der Neu-Rechten helfen. Es soll versucht werden, den öffentlichen Diskurs zurückzuerobern. Von den Correctiv-Plänen gibt’s noch nicht so viel Infos, von Schmalbart auch wenig Konkretes, aber zum Beispiel: “Es gibt Projekte zu Psychotargeting, Quellenüberprüfung, Datenvisualisierung und Medienkompetenz in der Schule.” Insgesamt hört sich das, was ich bis jetzt über Schmalbart gehört habe so an als ob eine Journalisten- und Marketing-Bubble sich aufmacht, die Diskussionkultur in den sozialen Medien zu retten, möglichst losgelöst von einer politischen Gesinnung um eine möglichst breite Masse einzubeziehen, quasi der Women’s March des Internetaktivismus oder so. Da ließen sich auch ähnliche Kritikpunkte wie am Women’s March aufmachen, z.B.: Wie divers ist das ganze aufgestellt und in den Zielsetzungen? usw. Oder mit kam auch die Frage: Warum wird das an Breitbart aufgehängt und nicht an Compact oder RT, die hier ja schon lange sehr präsent sind. Bei mir hat es angeregt, mal ein paar Gedanken zu der ganzen rechten Desinformationspropaganda zu sammeln, die mir seit Wochen im Kopf herumschwirren.

Ab jetzt wird zurückgepostet! ^^

Eine Idee von Schmalbart ist eine Datenbank mit snackable Fakten-Content: Fakten zu typischen rechten Themen wie Flüchtlingsverbrechensrate sollen zu Bildchen oder ähnlichem aufbereitet werden, die Menschen dann bequem auf Social Media verbreiten können. Anti-komplex gegen Rechts, Hauptsache Präsenz zeigen, dagegen halten. Kann sowas Erfolg haben? Hat jemand schon mal analysiert hat, warum das bislang nicht funktioniert hat? Denn auf diese Methode sind ja andere auch schon in diversen Formen gekommen, als PEGIDA aufkam. Ein paar alte Links habe ich noch: hier, hier, hier, hier, hier oder hier. Diese Websites und Social Media-Bildchen mit Fakten oder Slogans hatte ich mir damals immer in einem Extra-Fakten-Folder in meinen Bookmarks abgespeichert. Dahin, wo auch schon die Fakten zu Feminismus und LGBT*-Themen waren. Eine zeitlang habe ich immer, wenn ich über eine Diskussion stolperte, z.B. in den Kommentaren unter bestimmten Artikel-Postings von Zeitungen auf Facebook, wenigstens ein paar Fakten zwischen die rassistischen Hetzkommentare gesetzt, wenn mir die Energie zum Diskutieren nicht reichte. Mir und anderen ging es darum, den Neu-Rechten den öffentlichen Diskurs nicht alleine zu überlassen, aber mich auch nicht auf sinnlose Diskussionen mit Rechten einzulassen, letztlich einfach online genauso wenig wegzugucken, wie ich es offline tun möchte, wenn jemand rassistisch, sexistisch oder homophob rumplärrt. Etwas, was ich mir im queer/feministischen Diskurs online ziemlich abgewöhnt habe, denn da war mir die bewusste Eskalierung durch die Gegenseite schon viel länger bekannt.
Ich wurde dessen dann aber auch im rechten Diskurs bald müde, weil mir klar wurde, dass von der Neu-Rechten gegen Flüchtlinge genauso großangelegte Kampagnen mit Fake-Accounts und gezielte rhetorische Strategien zur Desinformation und Erschöpfung der “Gegner*innen” eingesetzt wurden. Wenn du dagegen anzugehen versuchst, fühlst du dich irgendwann nur noch wie die Müllabfuhr von Facebook, ganz zu schweigen von den Hass-Aktionen, die du abbekommen kannst. Und solange die Plattformen nicht selbst aktiver helfen, erscheint mir das als ein recht aussichtsloser Kampf, ein Wettrüsten das letztlich nur Facebook gewinnt, da immer mehr Leute immer posten und klicken.
Vielleicht war es damals aber auch noch nicht schlimm genug oder es wurden nicht genug Leute dafür mobilisiert, deswegen: Wer das für eine sinnvolle Methode hält: Aktuell gibt es zum Beispiel unter den Hashtags #ichbinhier oder #wirsindda auf Facebook derzeit Menschen, die versuchen sich “wider den Hass” zu organisieren. Könnte ein Ableger von Schmalbart sein. Ich hoffe aber schon, dass die Facebookgruppe “Freundlich sein zur AfD” nicht zu Schmalbart gehört: “Die Mitglieder haben es sich zum Ziel gesetzt, möglichst regelmäßig Facebookseiten der AfD und anderer Rechtspopulisten aufzusuchen, um dort den sachlichen Diskurs zu suchen. Das heißt, sich beleidigen zu lassen, ohne zurück zu geifern, Argumente gelten zu lassen, wo sie faktisch korrekt sind, aber eben auch an rostigen Stellen in der Argumentationskette des Gegenübers zu rütteln.” I can’t even. Früher hätte ich darauf einfach Wiglaf Drostes “Mit Nazis reden” zitiert, aber heute scheint mir das zu wenig.

“Eine Art von Referenzkatastrophe”

Ob AfD, ob Trump, ob Richard Spencer oder Milo Yiannopoulus, oder ihre ganzen namenlosen Anhängerlein: Vielen der Neu-Rechten geht es bei ihren öffentlichen Äußerungen darum, das Gegenüber, das auf Logik und Fakten gepolt ist, mit Vagheit, mit Provokation, mit der Verweigerung sich festlegen zu lassen und anderen semiotischen und rhetorischen Methoden strategisch zu zermürben. Gleichzeitig soll dabei den Anhänger*innen ein Gefühl des Zusammenhalts, der Macht und der Möglichkeit zu Veränderung vermittelt werden, das über die Abgrenzung von anderen funktioniert. Sie produzieren zutiefst faschistische Reden, Provokationen und Memes, ohne die Grenze zur Strafbarkeit zu überschreiten, aber ihre Gegner*innen in einer Empörungswelle nach der anderen zu emotionalisieren oder sie in einer endlosen Diskussionsschleife um Interpretationsvarianten zu verheddern. Schlimmstenfalls: sie auch noch gegeneinander aufzubringen.
Ein Beispiel für die Zermürbung zeigt ein Blogposting von Moritz Hoffmann sehr schön, der nur einen einzelnen Absatz aus Höckes Rede korrigiert hat, und dabei schon immer mehr verstrickt wurde. Die Analyse macht, fürchte ich, bei solchen Taktiken auf der inhaltlichen Ebene leider wenig Sinn; weder um argumentativ dagegenzuhalten, noch um Gesinnungen zu ändern, denn die rechte Desinformation im Detail zu zerlegen ist für die meisten einfach TL;DR (ich lese schon halbwegs viel, aber ich komme nicht mal halbwegs nach, die ganzen Faktencheck- und Erklär-Artikel zu lesen, die es inzwischen am laufenden Band gibt) und sie glauben nicht an Fakten, und Höckes Rede funktioniert eben auch nicht über den konkreten Inhalt, sondern über das Gefühl von einer veränderungsverheißenden faschistischen kollektiven Wut, das zwischen den Zeilen spürbar wird, ohne dass es explizit ausgesprochen wird. Gefühlte Wahrheit ist hier ein hilfreicher Begriff.  Yves Error beschreibt das in Analyse & Kritik sehr schön als “Referenzkatastrophe”:
Bei Menschen mit einem herkömmlichen politischen Vokabular, sei es bürgerlich oder kritisch, erzeugen diese Sprachmuster eine Art Referenzkatastrophe. Ständig werden Argumente gebracht, auf die einzugehen sich nicht aus Gründen der Meinung oder Moral verbietet, sondern aus dem Grund ihrer logischen und begrifflichen Inkohärenz. … Dieser rechte Anti-Diskurs ist es, der auch als postfaktische Politik bezeichnet wird. Vorurteile und Abwehrhaltungen werden hier nicht begründet, sondern einfach behauptet. Die Rechte erzeugt so eine »Sprachbarriere« hinter der sich ihr Gesellschaftsbild munter entwickeln kann und abstrakte Ängste als kollektiv performte Wut Gestalt annehmen, z.B. in den 921 von der Polizei gezählten Angriffen auf Geflüchtete und Asylunterkünfte im vergangenen Jahr in Deutschland. Erfolge einer Politik, die zwar verbal, aber nicht mehr argumentativ funktioniert – mittels der Faszination von Worten, die wirken ohne zu bedeuten und Sprechakten, die nur als Gewaltakte im aggressiven Gestus des Ressentiments ihren Sinn finden.
According to the American philosopher Harry G Frankfurt  the key difference between the liar and the bullshit artist is that the liar has at least some regard for the truth. The liar has a clear idea of what the reality of a situation is, and wants their audience to believe the opposite. The bullshit artist doesn’t care about truth at all — they have renounced citizenship of what the Bush administration infamously called ‘the reality-based community.’ The liar wishes to conceal the truth. The bullshit artist, by contrast, wants to destroy the entire concept of truth, not to deceive but to confuse, confound and control. This is what people mean when they refer to our political moment as a ‘post truth’ age.

Mit Zahlen gegen gefühlte Wahrheiten

Wo die Zersetzung eines Wahrheitsbegriffs, der auf gesellschaftlichem Konsens basiert, das Ziel der desinformierenden Redeformen ist, werden snackable Fakten als aufklärerisches Konter eher wenig bewirken und auch nicht Correctivs Fakten-Arbeit für Facebook. Der Begriff “post-faktisch” zwar auch im deutsch-sprachigen Raum aufgegriffen, aber von Medien so schnell wahllos als Hypewort verwendet, dass der eigentliche Sinn verloren ging. Ich fand ihn eigentlich schon hilfreich, aber er gehört in einen Kontext von Strategie. “Post-faktisch” einfach nur als “denen sind Fakten egal” oder “Fakten kümmern niemanden mehr” zu verwenden, verwässert ihn. “Post-truth” heißt er im Englischen, aber vielleicht wäre es stattdessen hilfreich den guten alten Begriff des “Truthers” zu verwenden, der Leute bezeichnete, die an Verschwörungstheorien rund um 9/11, Mondlandung oder sonstwas glauben, und sich zu ihren gefühlten Wahrheiten beliebige Belege suchen.
Nathan Jurgenson hat den Begriff im Trump-Kontext aufgegriffen und der Truthiness dabei den ebenso hilfreichen Begriff der Factiness entgegensetzt, um zu erklären, warum das (noch dazu oft vereinfachende und und bias-ignorierende) bloße Vertrauen auf Daten und Statistiken als Fakten ohne eine vereinende gefühlte Wahrheit, ein Narrativ, nicht als Gegenmittel funktioniert:
“truthiness,” which we might define as ignoring facts in the name of some larger truth. The facts of Obama’s birthplace mattered less for them than their own racist “truth” of white superiority. Perhaps we need to start articulating a left-wing version of truthiness: let’s call it “factiness.” Factiness is the taste for the feel and aesthetic of “facts,” often at the expense of missing the truth. From silly self-help-y TED talks to bad NPR-style neuroscience science updates to wrapping ourselves in the misleading scientisim of Fivethirtyeight statistics, factiness is obsessing over and covering ourselves in fact after fact while still missing bigger truths.

Verschiebung des Wertesystems durch Ausweitung des Sagbaren

Aber weiter zur neu-rechten Rhetorik: Jason Stanley hat wie Laurie Penny, den Frankfurtschen Bullshit-Begriff für die sprachliche Methode der Neu-Rechten, explizit Trumps Stil, aufgegriffen, sieht ihn aber nur auf technischer Ebene als zutreffend. Er greift zum besseren Verständnis Hannah Ahrendts Schriften zu autoritärer Propaganda auf, und erklärt: Es ist in einer freiheitlichen Demokratie schwierig, eine Botschaft zu finden, die für die Vielfalt der Wertesysteme gleichermaßen passt – davon können Werbebranche und Politik gleichermaßen ein Lied singen. Um die eigenen Machtvorstellungen angesichts eines so diversen Publikums durchzusetzen, bei dem auch noch verschiedenste Wertesysteme miteinander in Konflikt stehen, erschafft die Neu-Rechte im Truther-Stil eine möglichst einfache Realität, die sich echt anfühlt, weil sie etwas Komplexes schön einfach erklärt und  meist auch noch Sündenböcke für Probleme bietet und ein wir-gegen-die Gruppengefühl schafft, und, ganz wichtig: Die den Zweck erfüllt, nach und nach das Wertesystem des Publikums zu verändern. Ähnliches haben andere mit der bewussten “Ausweitung des Sagbaren” oder “Vergrößerung des Overton-Fensters” benannt. Es weniger um Überzeugung durch das inhaltlich Gesagte, sondern um eine Verschiebung des Wertesystem. Und genau deswegen muss es Dinge geben, die wir nicht tolerieren, sonst kann Meinungsfreiheit zur Waffe gegen die Demokratie werden.
Das ist ein Prozess, der eigentlich schon seit Sarrazins ‘Man wird doch wohl noch sagen dürfen’ von den Medien mitgespielt wird. Beispielsweise mal ausgeführt: Es wird behauptet, und damit die fiktive Realität geschaffen, dass ‘man’ gewisse Sachen nicht mehr aussprechen dürfe. Das ist provokativ, vor allem weil jemand eine Opferhaltung einnimmt, die ihm faktisch nicht zukommt, aber: Hey, Meinungspluralität in den Medien! Hey, mehr Aufregung bringt mehr Klicks! Also geben wir es als eine Meinung aus, die eine demokratische Gesellschaft aushalten muss, und geben ihm eine Plattform. Damit wird die Aussage eigentlich endgültig absurd, denn a) wird in dem Text, der sich beklagt, dass man etwas nicht mehr aussprechen dürfe, genau das angeblich Nicht-Aussprechbare ausgesprochen und b) werden ihm noch dazu die größten Medien als Plattform gestellt. Es ‘wissen’ eigentlich die meisten, dass es Quatsch ist, aber es ‘fühlt’ sich für viele – Leute wie Mario Barth füllten mit Ähnlichem ganze Stadien – irgendwie wahr an. Sonst würde es ja auch nicht in allen Medien auftauchen. Der Fokus sollte deswegen auch nicht nur auf Online-Diskussion liegen, auch die traditionellen Medienhäuser gehören in die Verantwortung genommen: Intolerante anti-feministische, anti-homophobe und rassistische Inhalte werden nicht nur von Rechten auf Social Media verbreitet, nein, ihnen wird auch in Meinungskolumnen und Talkshows Platz gegeben. Et voilà: nach und nach wird immer öfter und immer schärfer von einer “Verbotskultur” gesprochen. Das Wertesystem hat sich verschoben.
Hier auch mal ein paar Tweets dazu aus dem Thread von @meakoppa, aus dem ich den Titel dieses Blogeintrages habe:

So funktionieren rechte Strategien letztlich heute wie damals. Die aktuellen haben Wurzeln in Kreationisten- und Trutherkreisen, sie wurden in Männerrechts- und Pick Up Artist-Ecken des Netzes – das sind auch nach wie vor völlig unterschätzte Einstiegsgruppen für Rechte – endlos ausgefeilt und nicht zuletzt im Gamergate kampferprobt. Mit Leuten wie Breitbarts Yiannopoulus sind bei der Neu-Rechten sogar diesselben Aushänge-Protagonisten am Start. Von Matt Lees gibt es einen langen Essay dazu (vor allem für Journalist*innen auch lesenswert), was hätte von Gamergate schon für die “Alt-Right” hätte gelernt werden müssen, statt Breitbart und Co abzukaufen, dass da einfach nur hysterische SJWs (Social Justice Warriors) gegen ganz ‘normale’ Menschen stehen. Das findet sich inzwischen in der rechten Hetze gegen die “grünversifften Gutmenschen” wieder, die den ganz ‘normalen’ Bürgern ihre Rechte/Spaß/Meinungsfreiheit wegnehmen. Da werden mit einer Anti-Establishment Haltung soziale gesellschaftliche Standards erodiert. Und mit dem Erstarken der Neu-Rechten ist es nun auch in der gesellschaftlichen Mitte etwas nicht mehr ganz so leicht wegzugucken, als damals, als es nur ein ‘Frauenproblem’ und Minderheitenproblem war. So diskutiert nun die bürgerliche urbane Medien- und Marketing-Klasse über Dinge, die vor Jahren zum Beispiel feministische Bloggerinnen diskutierten, die sich gegen Maskus wehren mussten – statt auf dort Gelerntes aufzubauen.
Verschiedenste rhetorische Kniffe der Neu-Rechten sind eigentlich Klassiker, hier mal ein paar mit Hilfe der Rational Wiki vorgestellt:
(also known as proof by verbosity and the Trump Tirade) is the fallacious debate tactic of drowning your opponent in a flood of individually-weak arguments in order to prevent rebuttal of the whole argument collection without great effort.
is a way of attempting to make wild accusations acceptable (and hopefully not legally actionable) by framing them as questions rather than statements. It shifts the burden of proof to one’s opponent
A concern troll visits sites of an opposing ideology and offers advice on how they could “improve” things, either in their tactical use of rhetoric, site rules, or with more philosophical consistency. The “improvements” are almost exclusively intended to be less effective.
the fallacious tactic of taking quotes out of context in order to make them seemingly agree with the quote miner’s viewpoint or to make the comments of an opponent seem more extreme or hold positions they don’t in order to make their positions easier to refute or demonize.
The balance fallacy is a logical fallacy that occurs when two sides of an argument are assumed to have equal or comparable value regardless of their respective merits, which (in turn) can lead to the conclusion that the answer to a problem is always to be found between two extremes. The latter is effectively an inverse false dilemma, discarding the two extremes rather than the middle. Balance is often a problem in the media, where confrontational or adversarial journalism might present more of a controversy about some topic than actually exists, giving equal time to fringe minority viewpoints to draw in viewers. It is effectively the opposite of bias. (vlg. zum Beispiel die Überpräsenz der AfD in den Medien)
(also tone policing) is a logical fallacy that occurs when an argument is dismissed or accepted on its presentation: typically perceived crassness, hysteria or anger
a fallacious argument style in which an irrelevant or false topic is presented in an attempt to divert attention from the original issue, with the intention of “winning” an argument by leading attention away from the original argument and on to another, often unrelated topic.

und. so. weiter.

Ich würde sagen, Faustregel bleibt (zumindest für Frauen und Minderheiten): Traue dich, laut für deine Position einzustehen, aber lerne auch, wann es sich nicht zu diskutieren lohnt, wenn du eben zum Beispiel solche Taktiken erkennst. Oft ist es einfach besser, zu löschen, blocken und ignorieren. Schon mal aus Selbstschutz.

Ich habe selbstverständlich auch keine Lösung für die Rettung der demokratischen Diskussionskultur, aber meine Begeisterung für Ansätze, bei denen ich das Gefühl [sic] habe, dass es ihnen letztlich nur darum geht, wieder mehr Gemütlichkeit für eine bürgerliche Mitte zu schaffen, statt an die Wurzeln zu gehen, hält sich in Grenzen. Andererseits ist es schön, dass überhaupt was in die Gänge zu kommen scheint und ich hoffe ganz ehrlich, dass ich mit meinem ‘Gefühl’ den Schmalbarts, #ichbinhiers und Correctivs Unrecht tue, und stattdessen die Neu-Rechte von spannenden, engagierten Projekten, die Minderheiten einschließen, total disrupted wird, statt dass sie das Netz einfach noch lärmiger machen mit einer Meme Wars Version von Lichterketten gegen Windmühlen. Ich drücke uns die Daumen.
P.S.: Noch eine Weiterleseempfehlung, über die ich heute früh gestolpert bin: In “In den Niederungen der Desinformation. Ein Selbstversuch mit RT” zeigt Sylvia Sasse, wie Russia Today die “ehemalige mediale Frontlinie zwischen Ost und West” reaktiviert” und die “rechtspopulistischen Parteien Europas diese Frontlinie dankbar ins Innere ihrer Gesellschaften” verlagern.
Überhaupt solltet ihr Geschichte der Gegenwart gleich unter euren Lieblingsblogs bookmarken, in eurem RSS Reader abonnieren, auf Facebook liken, oder wie ihr das halt handbabt, denn da gibt’s derzeit wirklich wichtige Texte, z.B. auch „At the last Trump… – Populismus und das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen” von Christian Geulen oder der neueste: Patricia Purtschert zur Umkodierung der ursprünglichen Ziele von Identitätspolitik, It’s identity politics, stupid!

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21 comments on “Das Overton-Fenster als Waffe

  1. Du greifst mit der Faktenbank nur eine von beinahe 20 Projektideen auf. Sie ist tatsächlich eine Diskussionshilfe, anders als die meisten bisherigen Beispiele, auf Sharing optimiert.
    Was an Schmalbarts Vorgehen “Gemütlichkeit” haben soll, könntest Du das erklären?

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  2. Dein letzter Absatz trifft es ganz gut. Ich glaube das größte Problem unsereins ist die “Schockstarre” und Selbsterkenntnis früher eben aus jener bürgerlichen Mitte heraus gegen selbige agieren und argumentieren zu können. Jetzt ist sieht man sich oft in der Position für diese Mitte zu argumentieren, weil sie als quasi kleineres Übel erscheint. Das und die Zersplitterung der Linken ist einfach das größte Hemmnis adäquate Lösungsansätze zu entwickeln und wieder als ernstzunehmender Player erscheinen zu können!

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