Blame alle außer die Rechten, Kapitel 9857744

Derzeit gibt es einen ekelhaften Backlash von "Identitätspolitik"-Feinden und Konservativen gegen Bewegungen für soziale Gerechtigkeit, die gern unter "Political Correctness" oder "Identitätspolitik" gefasst werden, geframed werden. Er erfolgt auf ganz verschiedenen Niveaus und in verschiedenen Nuancen: Das geht vom deutschen Blogrant oder der Sibylle Berg Kolumne im Spiegel bis zu New York Times, Vox.com, Daily…

RECLAIM THE NIGHT LOUNGE – Lasst uns gemeinsam etwas gegen Übergriffe im Nachtleben tun

Im Folgenden findet ihr einen Impulsvortrag samt Slides, den ich für die Reclaim The Night Lounge gemacht habe. Das Veranstalterkollektiv musikverein, bei dem ich mitmache, versucht mit verschiedenen Anstößen derzeit gegen Übergriffe im Nachtleben aktiv zu werden - und anderen Lust darauf zu machen, selbst aktiv zu werden. Davon ist dies ein Teil.

Immerhin schreibt Meike Lobo nicht, diese “moderne Frauenbewegung” müsse rhythmisch sein

Gerade am Weltfrauentag ein dermaßen unsolidarischer, falsch vereinfachender und entstellender Text von einer Frau, Meike Lobo, in einer so großen Zeitung - das machte mich wütend. Glückwunsch Zeit.de, Ziel erreicht. Und dann noch den Konterrartikel nachlegen und noch mal so viele Klickzahlen abholen.

That’s why the lady is a fan – Frauen, Fankultur und dieses Internet

Weibliche Fankultur war schon immer mehr war als nur Schwärmerei für einen Star, sondern auch Ausbruch aus (sexueller) Repression und Community als verstärkendes Kollektiv. Von Teengirl Fan Communities von Bobby Soxers 1944 bis Directioners heute. Warum Fankultur im Pop schon immer eine weibliche Domäne war. Riot Grrl habe ich mir als eine historische Landmarke herausgepickt, die den Aspekt der weiblichen Solidarität verstärkt hat, aber auch die Distanz zwischen Fan und Künstler*in aufzuheben gesucht. Diese Distanzverringerung hat mit dem Einfluss der Digitalisierung und Internetkultur auf Fantum noch mehr zugenommen. Sie brachten aber gleichzeitig auch mehr Konkurrenz und eine Hyperkommerzialisierung. Das wiederum führt dazu, dass Stars ihre Fans durch eine Reverse Fan Culture bei der Stange halten müssen. Dank Internet gibt es mehr denn je Formen, in denen Fankultur ausgelebt wird, und sich darüber ausgetauscht wird. Als eine interessante Form werd ich kurz auf Fanfic eingehen. Und dann auch noch als spezifisches Beispiel auf Beyoncés Flawless Musikvideo, das für mich ganz speziell für das sich verändernde Verhältnis von Star und Fan, für internetspezifisches Marketing und Musik stehen kann. Und abschließend werd ich kurz darauf eingehen, ob es nicht ein positiver Ausblick sein könnte, derivate Kunst nicht als rein nostalgisch anzusehen, als "Retromania", wie es Reynolds nannte, sondern über das Verstehen dieser Kunst als Fankultur, sie als zukunftsverheißenderen Entwurf zu sehen: als "configurable culture", wie es Aram Sinnreich nannte.

Sprache is Duke

Zu oft werden Meinungskundgebungen in Social Media auf einen (suggerierten) Tonfall reduziert - "die regen sich mal wieder auf" - statt dass Inhalte ernstgenommen werden. Deswegen hätte ich die Kritik an dem Bild nicht als "den Empörer und die Empörten" beschrieben, wie es Martin im Teaser für den Text durchgerutscht ist.* "Empört", das ist das neue "hysterisch" und die kleine Schwester vom "Shitstorm" und dem "Twittermob". Und der Großneffe von "Social Justice Warrior", "PC-Polizei" und "Gutmensch". Es hat einen abwertenden Beigeschmack, der die damit gekennzeichnete Meinung als nicht ernstzunehmend markiert, sie rhetorisch zu entmachten sucht, die Kritik als nicht berechtigt abtut. Und ist mindestens so hoffnungslos überstrapaziert wie dass ich hier mit dem x-ten Text zu #tilogate aufwarte.