Sprache is Duke

Zu oft werden Meinungskundgebungen in Social Media auf einen (suggerierten) Tonfall reduziert – “die regen sich mal wieder auf” – statt dass Inhalte ernstgenommen werden. Deswegen hätte ich die Kritik an dem Bild nicht als “den Empörer und die Empörten” beschrieben, wie es Martin im Teaser für den Text durchgerutscht ist.* “Empört”, das ist das neue “hysterisch” und die kleine Schwester vom “Shitstorm” und dem “Twittermob”. Und der Großneffe von “Social Justice Warrior”, “PC-Polizei” und “Gutmensch”. Es hat einen abwertenden Beigeschmack, der die damit gekennzeichnete Meinung als nicht ernstzunehmend markiert, sie rhetorisch zu entmachten sucht, die Kritik als nicht berechtigt abtut. Und ist mindestens so hoffnungslos überstrapaziert wie dass ich hier mit dem x-ten Text zu #tilogate aufwarte.

“””Kunst””” – Vortrag für Edel Extras ästhetische Prozesse

Donnerstag, 5.3., hatte ich das Vergnügen, für die Kunstwochen im Edel Extra, einem kleinen Raum für ästhetische Prozesse, neben drei anderen Vorträgen folgenden von mir zu halten. Beeindruckend war Hermann Glaser, vor dessen scharfen Verständnis und Witz ich mich wieder mal verneige. Von seinem Credo “Jeder muss ‘Klopstock’ sagen können!” bis zur Kritik an affirmativer…

Pleasantville ist keine Lösung – Soziale Netzwerke müssen sozialer werden

“So lasset uns Freiheit für Sicherheit opfern!” – ein Credo, das wir aus privilegierten konservativen Kreisen nur allzugut kennen. Die Freiheiten und Rechte von Wenigen als unvermeidlichen Kollateralschaden zu betrachten, den es für ein übergeordnetes Wohl zu bringen gälte, ist nichts als eine ignorante Weigerung, sich mit komplexeren Dimensionen auseinanderzusetzen. Es sollte nicht vergessen werden: Im Gegensatz zu der sonst in Medien und Marketing immer noch überwiegenden sexuellen Male Gaze-Objektivierung weiblicher Körper bieten Social Media Plattformen Frauen die Freiheit, dem eine selbstbestimmte öffentliche Abbildung des eigenen Körpers entgegenzusetzen – egal ob erotisch oder stillend oder satirisch oder medizinisch. Es wäre traurig, solche Möglichkeiten unüberlegt zu opfern. Stattdessen sollten Wege eingefordert werden, die solche Arten der Selbstermächtigung ermöglichen und der Vielschichtigkeit der User gerecht werden, ohne dass es in Konflikt mit dem allgemeinen Zugang für Jugendliche zu diesen Social Networks gerät. Pleasantville ist keine Lösung.